Vom der Würde, böse zu sein
17.08.2017

Von der Würde, böse zu sein

Regen. Im Küchenpavillon hat das Wochenteam Zeit zum Denken. Eine Wochenfrage muss her, originell, aber auch inhaltlich anspruchsvoll, provozierend, aber bitte nicht anstößig. Die Quadratur des Kreises. Genau unser Ding!

Lange kreisen wir um das Erbe der Friedensdenker von Schiller (böser Nachbar) über Haig (Was ist wichtig?) bis Alt (Was ist möglich?). Plötzlich steht „unsere“ Frage im Raum. Die ist es, ob wir wollen oder nicht: „Will ich mit bösen Menschen Frieden schließen?“

Erst mal wollen wir nicht. Was ist denn das für ein moralinsaurer Mist? „Böse“ – das gibt’s doch gar nicht! Es gibt ungerechte Strukturen, falsche Politik oder internationale Spannungen. Aber das hat nichts mit bösen Menschen zu tun. Oder?

Wir haken fest. Will ich Frieden? Ja. Mit allen Menschen? Ja, natürlich! Also auch mit bösen? Das ist nur ein ausgrenzendes Konzept. Also: Will ich Frieden mit Nazis? Nein, natürlich nicht! Sind Nazis böse? Da kommen wir nicht weiter, das Thema ist zu krass. Wir versuchen es mit harmloseren Ausprägungen des Problems: Sind AfD-AnhängerInnen böse? Nein, die sind nur dumm und hässlich.

Wir spüren, dass so der Friede nicht anfängt. Das fühlt sich falsch an, Menschen, die andere, aus unserer Sicht abwegige Ideen vertreten, als dumm, unzureichend, geistig und körperlich defizitär zu beschreiben. Das nimmt dem anderen die Würde. Da ist es angemessener, dem Feind das Recht einzuräumen, Feind zu sein und nicht Patient. Sogar, wenn er böse ist. Will ich mit meinen Feinden Frieden schließen?

Ein Junge kommt mit seinem Vater ins Café und sieht die Wochenfrage. Der Vater ist offen für pazifistische Gedanken, der Sohn nicht: „Mit Bösen?! Denk doch mal nach! Das will doch keiner!“ Er stutzt, als er die grünen Bälle sieht, die Gäste in die Ja/Nein-Röhren geworfen haben: „Guck mal, da haben auch welche mit Ja gestimmt.“ Es ist ein spannender Weg zum Frieden. Wenn man ihn geht. Der Junge hat seine Entscheidung gefällt: „Habt ihr hier noch andere Attraktionen?“

 

Walter Linkmann

Team Café #Friedenswege

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